Dienstag, 13. Dezember 2016


Heute früh ist's passiert:

Habe einen Salto vom Fahrrad geschlagen!!

Eine Passantin ging seelenruhig am Fahrradweg,
ich kam aus ihrer Sicht von hinten
und ich Depp hab noch geklingelt,
statt einfach an ihr vorbeizufahren.

Sie ist mir natürlich genau ins Rad hineingelaufen ...

Ich habe noch geschrien "Ja, genau ...",
dann flog ich schon und saß danach am Boden.

Sie entschuldigte sich vielmals,
half mir, mein Zeug aus dem Fahrradkorb,
das überall verstreut war, zusammenzuklauben
und war dann dahin.

Weil sie Ausländerin war und schlecht Deutsch sprach,
versuchte ich gar nicht, 
ihre Daten aufzunehmen.

Sie wäre wahrscheinlich ohnehin davongelaufen.



Ich ging sofort in Gedanken meinen ganzen Körper durch
und fühlte nach, ob noch alles funktionierte.

Ja!

Ich hatte nirgendwo Schmerzen 
und war offensichtlich mit dem Schrecken davon gekommen.

Also packte ich mein Zeug und fuhr weiter,
ich wollte einfach nur ins Büro.

Während des Fahrens
- ich hatte noch gute 15 Minuten Fahrzeit vor mir -
merkte ich, dass ich mit der rechten Hand
nur noch runter-, aber nicht mehr hinaufschalten konnte.

Aha, da war also doch etwas nicht ok,
aber es tat wenigstens nicht weh.

So griff ich mit der linken Hand hinüber zur Schaltung, 
schaltete fortan mit links und fuhr einfach weiter.



Erst im Büro merke ich weitere "Defizite" meiner rechten Hand:



Ich kann den Fahrradkorb nicht mehr mit der Rechten tragen
und habe dabei Schmerzen.

In der Dusche kann ich nicht einmal den Duschkopf halten,
dann kämpfe ich sehr mit der engen Strumpfhose:

Ich kann mit der rechten Hand nicht mehr ziehen,
es tut höllisch weh ...



Erst hole ich noch Eis aus der Kantine,
um meine rechte äußere Handkante,
die oberhalb des Handgelenks schon leicht anschwillt, zu kühlen.



Dann beschließe ich,
mir meine Hand im Unfallkrankenhaus 
auf jeden Fall ansehen und röntgen zu lassen.

Ich bin schließlich Rechtshänderin ...


 
Dann ist das Röntgen da und die Diagnose:
Abrupt. ossea tend. ext. carpi ulnaris dexter.

(Das untere Köpfchen des rechten Mittelhandknochens s. Pfeile

ist ausgerissen und hängt in der "Luft".

Die Sehne, die mitdranhängt,
ist am Röntgen nicht zu erkennen).

Ich verstehe erst einmal gar nichts,
irgendeine Sehne ist ausgerissen,
Schmerzen hab ich wenigstens immer noch keine ...

Und?


 
 Mein wahrscheinlich größtes "Pech"(:-P) an diesem Tag aber ist:

Erstuntersucher ist dieser Arzt
und mir ist auf einmal relativ wurscht, was ich hab:

Welche Frau kann diesem Blick schon widerstehen :))) ?!?!?!?



Mich haut's dann aber doch fast um,
Gott sei Dank sitze ich schon:

Man will mich noch heute operieren!!!

Was ich denn bisher gegessen hätte ...

"Nur Obst und vorhin 2, 3 Kekse", sage ich kleinlaut, 
bin in Gedanken aber schon mit der Organisation
meiner heutigen, völlig unerwarteten OP beschäftigt.
Meiner 1. seit 38 Jahren!!!

Operiert er mich denn :)??

Hab ich auch alles dabei, was ich brauche?
Wen muss ich aller verständigen?
Im Büro wissen sie schon Bescheid, aber sonst ...



Ich habe nichts dabei außer meiner Kleidung
- Minirock und Stöckelschuhe, wie passend :((( -
und meiner Handtasche.

Die ist aber wenigstens fast "nordpoltauglich", wie ich immer sage:
Also so gut wie alles drinnen, was ich jeden Tag brauche.

Ok, ich willige ein, 
möchte nicht noch 2 Tage warten.



Denn inzwischen hat man mir eine Korkschiene verpasst,
mit der ich mit der rechten Hand einfach gar nichts mehr machen kann,
weil sie über die Finger hinausgeht wie diese hier,
ich kann nicht einmal mehr schreiben damit ...

Dann geht alles schnell,
man merkt die Routine des Personals:



Venflon
(= Venenkatheder, natürlich links,
wenn rechts operiert werden soll),



Blutabnahme - gleich 3 Ampullen voll!! -, 



EKG,
und dann werde ich in den 4. Stock zur Aufnahme geschickt.
Dort hilft mir die freundliche Schwester gleich beim Ausziehen.



Und ab geht's ins sexy und rückenfreiePatientenhemdchen für OPs
und dann ins frisch gemachte Spitalsbett.

Wenigstens hat man mir die Thrombosestrümpfe erspart,
ich hätte sie ohnehin verweigert ;).



Die 6-stündige Wartezeit bis zu meiner OP-Vorbereitung um 16.30 h
bleibe ich recht ruhig, ich kann es ja eh nicht mehr ändern.

Anfangs bin ich ohnehin noch beschäftigt,
die nötigen Formulare mit links auszufüllen.

Als Strafverschärfung gibt es dazu nur einen roten Kuli,
damit ja jeder sehen kann,
dass ich mit der Linken noch schlechter schreibe als ein Volksschüler ;).



Dann kommt noch der Anästhesist zu einem Vorgespräch,
der wird aber per Handy abgeordert
und ist dann so gestresst, dass ich hoffe, dass es nicht der wird!!

Gott sei Dank bleibt mir die Vollnarkose erspart,
mit Regionalbetäubung des rechten Armes
und einer Sedierung während der OP,
so dass ich nichts davon mitbekomme, bin ich zufrieden.

Um 16.30 h holt man mich endlich ab
und schiebt mich in meinem Bett durch die Gänge in den Lift
bis in den 1. Stock und in den riesigen, neonlicht-geflutete OP-Vorbereitungsraum,
wo schon 3 Assistenten herumwerken.



Ein anderer, weitaus weniger gestresster Anästhesist stellt sich vor
und fragt dann locker und lässig:

"Und wie heißen Sie? Lieblingsfarben? Hobbies? Allergien?"

Ich bin schlagfertig, sage sofort meinen Namen und:
"Farben und Hobbies tun hier sicher nichts zur Sache,
aber Allergien hab' ich keine ...."

Er scheint zufrieden,
ich bin offensichtich guter Dinge und zurechnungsfähig.



Dann gehen sie an die Arbeit:
Während der Anästhesist mir die axilläre Plexusblockade spritzt,



injiziert mir ein anderer über den Venflon
ein Sedierungsmittel, das aber anscheinend erst später wirken soll,
denn ich muss noch mithelfen,
auf den OP-Tisch überzuwechseln.

Ich wollte mich noch am Oberschenkel kratzen,
bin aber schon festgeschnallt:



Aber jetzt geht's ohnehin ab ins Reich des Morpheus :))).



Als ich aufwache, weiß ich erst gar nicht, wo ich bin.
Noch im OP? Warum?

Ich hatte doch gerade noch soooo schön geträumt!



Dann bekomme ich mit,
wie man mir gerade die Hand auf der Korkschiene fertig verbindet.

Noch ist die grüne, sterile Abdeckung,
die meinen rechten Arm vom Körper trennt,
teilweise da und zu sehen.



Ich habe gleich Durst
und bekomme tatsächlich in einem Plastikbecher Wasser,
das ich natürlich nur mit links trinken kann.

Und mir wird nicht schlecht davon!!!
Es war also wirklich keine Vollnarkose ....

Dann geht's wieder rauf ins Zimmer
samt meinem "fahrenden Bett".



Dort habe ich bald "Spass" mit meinem völlig betäubten rechten Arm,
von dem ich mit geschlossenen Augen nicht einmal weiß,
wo genau er sich befindet.

Als ich ein wenig schlafen will und mich bequem hinlegen,
kommt mir mein bandagierter Arm entgegen.

Mit knapper Not kann ich ihn noch mit der Linken auffangen,
ehe ich mir damit noch die Zähne ausschlage!!



Der Anästhesist hat es wohl zu gut gemeint:

Mein Arm bleibt noch fast die ganze Nacht gefühllos,
erst in der Früh spüre ich ihn wieder,
habe aber wegen des Venentropfs keine Schmerzen.











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